Es nervt.

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Ich oute mich mal ausdrücklich:

„Ich bin gerne auf YouTube unterwegs!“

Alles was mit WoMo, Minimalismus und tollen Umbauten zu tun hat, sauge ich auf wie ein Schwamm.
Ich finde es grundsätzlich klasse, wenn Menschen ihr Können für andere zwecks Nachahmung „konservieren“.
So abboniere ich auch gerne einige (so ca. 30) Kanäle um entsprechend informiert zu werden, wenn es mal was neues gibt. In der Regel sind die 5-20-minütigen Clips interessanter als das TV Angebot. Mit einigen der Betreiber pflege ich einen engeren Kontakt, ggbf. via eMail, mit anderen tausche ich mich auch persönlich aus, wenn ich in der Nähe bin.

Nun entscheidet ja jeder Betreiber eines Kanals für sich, welche Inhalte er einstellt. Etwas dabei, was mich nicht interessiert? Kann ich überspringen und tue das dann auch.

Zuletzt verfolge ich einen Kanal mit Infos zum Umbau eines Kastenwagens. Nett gemacht, mit Frau und Hund. Man engagiert sich auch philantropisch zur Festzeit. Ich sehe da erst mal den guten Gedanken und den Aufwand – nicht ein gutes Herz zwecks Klicks und Abos. Klasse.

Nun veröffentlicht der Betreiber – offensichtlich ein Schrauber, der das ggbf. sogar beruflich macht (als Geselle?) Videos zur Reparaturen von Bremsen an seinem > 3 Tonnen Geschoß. Vielleicht kann das hier jemand nachvollziehen: Man ist vom Fach und erkennt durch seine jahrzehntelange Berufserfahrung ein paar richtig heftige Probleme / Risiken innerhalb des Videos.
Erstaunt bin ich, als zum Abschluss des Videos der Verfasser dem Publikum sichtlich amüsiert mitteilt: „Ihr dürft das alles gar nicht. Nur im Besein eines Gesellen, eines Meisters oder jemandem, der Ahnung hat.“ Häh? Warum dann das Video überhaupt? Also nur Selbstdarstellung, Abos, Klicks?

Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

So sagt das „Engelchen“ links auf der Schulter: „Zieh weiter, nicht dein Problem.“ Das „Teufelchen“ rechts meint „Das kann man doch nicht so stehen lassen – tu was!“ Also läuft es – wie so oft im Leben auf einen Kompromiss heraus. Man hat ja dem Betreiber auch schon Lob für die anderen Videos ausgeschüttet, so glaubt man einfach, dass er sicher auch mit konstruktiver Kritik umgehen kann. Ich will das auch nicht an die große YT-Glocke hängen und schreibe eine liebe Mail mit ein paar Vorschlägen.  Die Antwort fällt knapp aus: Irgendwie nur „Danke.“

Was will ich denn überhaupt? Nun, Bremsen und Lenkung sind an Kraftfahrzeugen überlebenswichtig. Erklärt irgend jemand schräg, wie eine Wasserpumpe oder ein Radio gewechselt wird und das haut nicht hin, dann zucke ich kurz mit den Schultern – „so what?“. Bei dilletantisch reparierten Bremsen hört der Spass auf. Bastelt sich irgendwer seine Bremsen nach dieser Anleitung zusammen und etwas läuft schief, fährt er sich vielleicht den Kopf ab.  Auch da glaube ich an das darwinsche Prinzip der natürlichen Auslese: Er / sie war eben nicht überlebensfähig.
Dummerweise nimmt dieser Todespilot aber im schlimmsten anzunehmenden Fall auch noch ein, zwei andere Verkehrsteilnehmer mit auf seine letzte Reise. Dann geht uns diese Anleitung irgendwie alle an – insbesondere die, die es einfach aufgrund ihrer Erfahrung besser wissen.

Ein zweites Video erscheint, hier wird dann kurz – aber mit einem relativ deutlichen Unterton – auf eine geänderte Handhabe hingewiesen, „…damit es nicht wieder dumme Kommentare gibt“. Nun sind auch hier wieder viele Halbinformationen vorhanden und wichtige Sicherheitsaspekte werden übersprungen. Nun kommentiere ich das – immer noch mit einem Smilie, aber auch sachlich und auf den Punkt.

Zu diesem Zeitpunkt krabbeln dann auch gerne die Fans und Beifallklatscher hervor und packen noch ihr Halbwissen dazu – erklären meine durchaus überprüfbaren Argumente – für dummes Zeugs und Mythos. Jetzt fahre ich ein etwas stärkeres Geschütz auf und wiederlege erst mal dieses Störfeuer mit ein paar Fakten und ja, gebe auch den Hinweis, dass man vielleicht mal Google & Co. bemühen sollte, bevor man in die Tasten greift.

Nun greift der Verfasser des Videos ein und erklärt wieder mit besagtem Unterton, dass man – wenn man nichts nettes zu sagen hätte – einfach weg- und weitersehen sollte. Das ist nun vielleicht ein rechtliches Dilemma. Bin ich nach Kenntnis eines solch potentiellen „Gefahrenvideos“ verpflichtet, mich da einzumischen? Vielleicht frag‘ ich den Solmecke mal.

Im Übrigen scheinen YT-Kanalbetreiber oft ziemlich dünnhäutig zu sein: Beifallklatscher sind Abonenten, sind „Like“-Drücker und Aufrufer der Videos. Kritische Stimmen tun das oft auch, werden aber generell als „Spassverderber“ weggemobbt.

Werdet endlich erwachsen, übernehmt Verantwortung und stellt euch der Kritik, akzeptiert sie und bedankt euch auch mal, wenn diese gerechtfertigt ist. Es geht nicht darum wer Recht hat, es geht (insbesondere im o.a. Fall) um die Darstellung KORREKTEN Contents um Gefahren für die Öffentlichkeit – soweit irgend möglich – auszuschließen.

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