Meine Kastenwagensuche – Szene 3

Heute der 3. Versuch.

Vielleicht geht ja auch günstiger? Dann hätte man theoretisch mehr Geld für anstehende Reparaturen?


Der Kandidat

Auf Auto Scout24 eine Anzeige der Fa. Auto Gelhaar (in Düsseldorf – meiner alten Heimat) für einen 2009er Sprinter mit 4325mm Radstand (aber mit 7,35m XXL Länge!), 129 PS und Klimatisierung.

Der Sprinter hat satte 535.000 km Erfahrung (der Motor soll bei 400.000 km ausgetauscht worden sein und wird für € 5.891 (Brutto) angeboten.
Erwartungen habe ich ehrlich gesagt keine.
Aber anschauen kostet ja erst mal nichts.


Die Organisation & die Anreise

Ich rufe am Dienstag an und arrangiere einen Besichtigungstermin am Donnerstag nachmittag. 67 km Anfahrt – man ist sehr freundlich am Telefon, dämpft aber schon die Erwartungen. Und man verkauft nicht an privat. Versteht sich, denn man will auf ein Fahrzeug mit mehr als einer halben Million Kilometer keinerlei Gewährleistung geben.

Die Anreise mit dem üblichen Werktagsverkehr – ich bin in meiner alten Heimat.


Der erste Eindruck

Ich komme gegen 16:30 an, und sehe einen Hof, eine Werkstatt mit regem Treiben und den Sprinter, der aus der Ferne und ohne Sehhilfe erst mal keinen schlechten Eindruck macht.

Der Sprinter steht am Zaun zur Straße und ich schaue mir den Patienten aus der Nähe an.

  • Rost. Viel Rost. Überall. Teilweise dilletantisch mit weissem Lack übertüncht.
  • Überraschend wenig Beulen und Dellen (aber eine einseitig aufgeschlitzte Heckpartie mitsamt zerstörter Seitenverkleidung und völlig fertige Hecktüren) – aber da habe ich schon ganz andere Schäden bei geringeren km gesehen. 
  • Die Bremsen sind fertig. 
  • Die Reifen verkehrsuntauglich, 2 Stück blank wie Kinderpopos.

Im Detail

Der Chef nähert sich und fragt lächelnd, ob ich schon genug gesehen hätte. „Nö,“ entgegene ich, „bin nun mal da und schaue mir das gerne genauer an.“ Der Wagen wird aus seiner Enge befreit und steht nun gut zugänglich da. Ich öffne die Türen.
Wir schreiben den 1. April. Und nein, was ich hier sehe ist kein Aprilscherz.

  • Der Innenraum ist fix und fertig, ob Sitze, Sonnenblenden, Schaltsack oder Verkleidungen.
  • Ladebereich hat irreperablen Rost im Deckenbereich und einiges an Rost um die Radkästen bzw. der Nähte.
  • Und eine Inspektion aller Türen bestätigt die erste Vermutung: JEDE Tür VOLLSTÄNDIG durchgerostet. Die Seitentür auch schon an der hinteren Aussenkante auf halbem Weg. Die Hecktüren hatte man wohl schon mal „repariert“.
  • Die Windschutzscheibe ist gerissen.
  • Ich stelle die Zündung an, warte einen Moment und…
  • der Anlasser klingt gequält, startet dann aber doch den Motor, der im Leerlauf rund läuft.
  • Die Lichtmaschine scheint keinen Ladestrom abzugeben – so zumindest die Erkenntnis durch die Warnleuchte.
  • Wischer und Wascher o.k. Hupe macht Geräusch.
  • Das Radio ist – weg.

Kurzer Beleuchtungscheck:

  • Beleuchtung nur auf einer Fahrzeugseite, Blinker insgesamt defekt.

Schlüsseltest:

  • Set komplett.

Ich öffne die Haube.

  • Der Motorraum erscheint halbwegs sauber.
  • Ein etwas unleserlicher Zettel unter der durchgerosteten Motorhaube soll wohl auf den Austauschmotor (oder einen Service?) hinweisen.
  • Ansonsten keine Hinweise auf Öl-, Zahnriemenwechsel oder Kühlmittelkonzentrierung.

Testfahrt

Nicht wirklich. Das ist eine Todesfalle.


Fazit

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Freundlich auftretender und schmerzfreier Händler.
Auf Nachfrage mit welcher Rechtfertigung man hier noch knapp € 6.000 verlange: „Der hat noch TÜV bis Juli.“ Na denn.

Soviel zu der „preis(un)werten“ Version eines Kastenwagens. Mit bleiben nur die Bilder im Kopf, dass dieses Fahrzeug ohne weitere Inspektion zugelassen und auf unseren Straßen am Verkehr teilnehmen wird. Ich hoffe, dass der Händler nachts noch schlafen kann.

Vergessen, bitte.

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