Meine Kastenwagensuche – Szene 4

Nr. 4.

Die Erwartungen sinken mit jedem Besichtigungstermin, aber ich muss dranbleiben.


Der Kandidat

Auf mobile.de ist ein 2009er Sprinter „Mixto“ der Fa. Nutzfahrzeuge West (in Duisburg-Meiderich) mit 4325mm Radstand (und mit 7m Gardemaß), 150 PS, Klimatisierung, Standheizung, Tempomat und AHK inseriert.

Neue Inspektion!
Neuen TÜV & AU
Regelmäßig gewartet
1. Hand

steht da geschrieben.

Der Sprinter hat 250.000 km gelaufen und wird für € 10.900 (Brutto) angeboten.
Erwartungen habe ich mittlerweile ausgeblendet.
Und die Händler nehmen es mit ihren Angaben ja nicht wirklich genau.


Die Organisation & die Anreise

Ich rufe am Dienstag an und arrangiere einen Besichtigungstermin am Donnerstag vormittag. 37 km Anfahrt – der Wagen sei noch da. Mehr Details gibt es am Telefon nicht.

Eine überschaubare Anreise – Duisburg ist ja quasi Nachbarschaft.


Der erste Eindruck

Ich komme gegen 11:00 an, und begebe mich in eine Verkaufshalle, in der die „bessere“ Ware steht. Dort auch ein schicker Crafter – aber jenseits meines Geldbeutels. Der zuständige Verkäufer telefoniert noch und so warte ich Corona-konform vor dem gläsernen Büro. Ein kurzes Gespräch, ich erhalte Schlüssel und man öffnet mir eine große Glastür zur Straße. Da isser.

Der Sprinter steht frei und gut zugänglich hinter einem, und neben zwei, drei Artgenossen.

  • Auch hier überraschend wenig Beulen und Dellen (einige dilletantische „Verkaufsreparaturen“) – ansonsten geht’s.
  • Die 2 (1 x kaputte) Rundumleuchten auf dem Dach lässt den vorangegangenen Einsatzort erahnen.
  • Die Bremsen sind eingelaufen und fällig. 
  • Die Reifen noch o.k., bis auf ein 13 (!) Jahre altes Exemplar.

Im Detail

„Kaklunk.“ Sesam öffne dich. Die Seitentür gibt das „Mixto“-Konzept frei. 2 Einzelsitze vorn, dahinter eine 3-sitzige Bank, dahinter die Wand zum Laderaum.

  • Der Innenraum ist etwas verwohnt, rissige Sitze, störrische Gurte – 12 Jahre Baustelle hinterlassen ihre Spuren.
  • Ladebereich hat irreperablen Rost in den Falzen des Deckenbereichs und der Boden lässt noch schlimmeres erahnen.
  • Die Radkästen sind überraschend unberührt.
  • Die Windschutzscheibe ist mit diversen Steinschlägen verziert.
  • Die Starterbatterie ist extrem schwach, startet dann aber doch den Motor, der im Leerlauf rund läuft.
  • Das übliche „T“ strahlt aus dem Kombiinstrument – der Fahrtenschreiber meldet seine Fehlfunktion.
  • Wischer und Wascher funktionieren. Hupe hupt.
  • Der elektrische Fensterheber links von mir verweigert den Dienst.

Kurzer Beleuchtungscheck:

  • Beleuchtung bis auf einige Seitenleuchten i.O.

Schlüsseltest:

  • Set komplett.

Ich öffne die Haube.

  • Der Motorraum erscheint halbwegs sauber.
  • Weiterer Rost an der Haube und am Fensterrahmen.
  • Ein Sticker verrät einen Klimaservice, der aber auch schon 3 Jahre zurück datiert.
  • Ansonsten keine Hinweise auf Öl-, Zahnriemenwechsel oder Kühlmittelkonzentrierung.

Testfahrt

kann mangels roter Nummer heute nicht stattfinden.


Fazit

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Ein etwas gelangweilt erscheinender Händler.
Nach einem kurzen Gespräch wird klar, dass es – entgegen der Wortwahl der Anzeige – keinerlei Wartungsbelege und nur 4 Jahre alte Einträge im Serviceheft gibt. Eine „neue Inspektion“ gibt es gegen Aufpreis, wie auch frischen TÜV und AU. Da dürfte noch mal eine relativ dicke Rechnung zu erwarten sein – so mit Bremsen, Fensterheber, etc. Vielleicht hat man ja auch einen blinden TÜVler.

„Regelmäßig gewartet“ – man beliebt zu scherzen.

Man bietet mir an, das Fahrzeug für glatte € 10.000 kaufen zu dürfen. Dann mache man aber gar nichts mehr daran. Eine Probefahrt wäre erst am folgenden Montag möglich. Danke für’s Gespräch.

Heute nicht.

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