ShirtPocket – oder wie ich meine Lizenz verlor

Dies ist keine Produktplatzierung oder -werbung. Ich habe und werde weder Geld noch Ware aufgrund dieses Beitrages erhalten. Ich berichte lediglich über eine erlebte Produkterfahrung und einen Kundenservice.

UPDATE 13.07.2021 – siehe Ende des Artikels

Unser alter MacBook Pro.

2010 Ursprünglich Paul’s Computer, dann irgendwie in die Hände von Claudia geraten, zuletzt erlitt der gute einen Festplattenschaden. Die letzte Sicherung wurde unglücklicherweise auch überschrieben – vieles davon war aber auf meinem NAS gesichert. Aber jeder Verlust ist ein kleines Desaster – Claudia vermisst einige Ihrer Dokumente. Bin ich doch sonst der Fanatiker, wenn es um Sicherungsaufgaben geht, so ist mir das dieses Mal ordentlich misslungen. Asche auf mein Haupt.

Da wollte sich MacOS auch auf der irgendwo übrig gebliebenen 500GB 2,5 Zoll Platte nicht von der DVD installieren und so hatte ich es mal mit Linux (Mint) probiert. Was sich zunächst als eine gelungene Installation darstellte, entpuppte sich dann doch zur äußerst instabilen Angelegenheit. Grafiktreiber und Druckertreiber bockten, Abstürze ließen mich den Rechenknecht in halbstündlichen Abständen neu booten. Vielleicht hat das Mainboard auch einen weg? HD, DVD und Mainboard waren somit fragwürdig – normalerweise ein Fall für ein Inserat bei eBay Kleinanzeigen. Macs sind nach wie vor populär.


Werde kreativ.

Nun sitze ich während unseres Regensturms zuhause und bin auf YT unterwegs. So entdecke ich die Möglichkeit eines „Internet Restores“ via Netzwerk durch das Halten von drei Tasten während des Bootvorgangs. Und – das funktionierte! macOS High Sierra (die letztmögliche Version auf diesem alten Mac) erstrahlt in jungfräulichem Glanz. Der MacBook hat die maximale RAM Ausbaustufe mit 8GB, erste Tests laufen glatt, lediglich iCloud war nicht von meiner Identität zu überzeugen. Erst nach einem 43-minütigen Telefonat mit dem Apple Support konnte das Problem gelöst werden. Kostenlos, übrigens.

2007 schon erwarb ich die Lizenz für ein Backup Produkt auf meinem MacMini, dass mich von dort an auf all meinen Macs begleitete. Mit SuperDuper! liessen sich Backups und Images der Festplatte auf externe Medien erstellen – mit dem Image konnte man sogar den Rechner frisch booten, falls sich die interne Platte verabschiedete. TimeMachine (Apple’s eigenes Backup Produkt) ist da wesentlich komplizierter in der Handhabung.

2017 dann der Abschied vom Mac Mini und ein erneuter Umzug der SuperDuper! Lizenz auf Paul’s MacBook Pro. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch die Bestellnummer und die entsprechenden Bestelldaten, was fehlte war die eigentliche Lizenznummer. So kontaktiere ich die Fa. ShirtPocket, die verweisen mich auf zu ihrem e-Commerce Provider eSellerate. Dort recherchiert man kurz und schickt mir eine Textnachricht mit Lizenznummer. Dankeschön.


Die Reise ins Nirvana beginnt…

Und jetzt ratet mal.
Ja, auch diese Lizenznummer ist irgenwie verschütt gegangen und war für die gestrige Neuinstallation unauffindbar. Ich versuche mich zunächst bei eSellerate – die sind aber in den Tiefen des Internets versunken. Mit etwas Röte im Gesicht wende ich mich erneut an ShirtPocket und dem Chef – Dave Nanian.

Nun erklärt man mir, dass eSellerate nicht mehr unter den Lebenden weilt und der Lizenz-Recovery-Service sei zwangsläufig mit verschollen.
Und damit man meine Privatsphäre und die Konformität zur GDPR (General Data Protection Regulation, der rechtliche Rahmen der Europäischen Union und der allgemeinen Datenschutzverordnung) schützen müsste, hat man die Informationen bei ShirtPocket nicht nachgehalten (was das alles mit GDPR zu tun hat, erschließt sich mir nicht, schließlich bin ich Kunde bei ShirtPocket?). Wenn ich die Lizenz also verloren hätte, dann gebe es keinen Weg, um sie zurückzuholen. Man fragt mich also erneut, ob ich die Nummer nicht noch irgendwo hätte…

Nö, habe ich nicht. Ich erkläre noch kurz, warum ich die Nummer nicht mehr habe und bitte einfach um die Generierung eines neuen Keys (im Anhang die Mails mit Bestelldetails anno 2017).


Hier nun die ungekürzte Antwort:

Tut mir leid, das kann ich nicht. Wir haben noch nie Updates in Rechnung gestellt (Ihre über 14 Jahre alte Lizenz war also noch gut), und ich hoffe, Sie haben das Gefühl, dass Sie einen ausreichenden Nutzen daraus gezogen haben … eine neue Lizenz kann auch nativ mit M1-Macs arbeiten, wenn Sie eine davon bekommen, die alte nicht (da wir eSellerate-Lizenzen nicht „nativ“ unter M1 validieren können, nur mit Rosetta).

Man erkennt meine Lizenz an, entscheidet aber tatsächlich, dass jetzt mal nach 14 Jahren gut sein muss und ich mal schön eine neue Lizenz (zu € 28,56) kaufen soll? Dass Updates kostenfrei waren, hat wohl eher mit den 2007 Vertragsdetails zu tun. Ich erhalte zu vielen Programmen jahrelang kostenlose Updates – das ist nicht marktunüblich.
Ich brauche auch keine „neue“ Lizenz – der MacBook ist 11 Jahre alt und „Rosetta“ war noch nie Thema. Und „Das kann ich nicht“ bedeutet eher: „Das will ich nicht„.
Um hier klar zu sein: Es geht mir nicht um die Einsparung von € 30. Es geht hier um das Prinzip und die Dreistigkeit sich eine verloren gegangene Lizenznummer über fadenscheinige Argumente vergolden zu lassen.

So habe ich das Dave auch entsprechend mitgeteilt. Denn im Endeffekt erhält er keine € 28,56, hat nur einen Kunden verloren und sich schlechte Publicity eingekauft. Und jeder, der mich von heute an nach einer Backup Lösung für den Mac fragt, bekommt diese Geschichte erzählt.


Fazit:

Meine Tocher würde sagen: „Dein Zirkus, deine Äffchen
Forrest Gump eher: „Dumm ist der, der Dummes tut.
Eine Antwort habe ich nicht mehr erwartet oder erhalten. Also nutze ich nun Time Machine.

Kunde verloren und eine Rezension (auch auf FB!) gewonnen.
Glückwunsch, Dave Nanian – eine brilliante Geschäftsentscheidung.

UPDATE 13.07.2021

Eine Antwort kam nun doch noch. Man erklärt mir in so vielen Worten, wie es nicht die Schuld von Shirt Pocket sei, dass ich meinen Lizenzschlüssel nicht mehr hätte und man „fühle“, dass ich hier die Verantwortung auf Shirt-Pocket abwälzen würde. Und man könne da ja gar nichts machen, weil eSellerate nicht mehr existiere. Und verlor ich meinen (Toyota-) Autoschlüssel, dann bekäme ich ja auch keinen kostenlosen neuen Schlüssel.

Mein „Gefühl“ liegt da etwas anders. Dies war ein Support-Fall für ein bezahltes Produkt. Und eine virtuelle Dienstleistung mit einem anzufertigenden Autoschlüssel zu vergleichen grenzt schon an eine Beleidigung der Intelligenz des Gegenübers.

Ich könne ja eine (im Leistungsumfang stark eingeschränkte) unregistrierte Version nutzen. Die käme auch mit Support.

FY very much.

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.